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Brustkrebs Runde 1: Lebensqualität vs Lebensquantität

Krebs an sich, also abnorme Zellen kann praktisch jeder in sich tragen. Du auch schon, während Du das hier liest. Abnorme Zellen fallen oft erst später als Knoten o.ä. auf, bei manchen wachsen sie so langsam, dass sie bis zum Tod keine weiteren Probleme machen.

Brustkrebs fällt dank der Mammographie heute oft schon ganz bald auf. Als sog. Mikrokalk und wenn Du Glück hast, ist dieser noch begrenzt und streut nicht. Allerdings gibt es 3 unterschiedliche Grade. Je höher der Grad, desto schneller und bösartiger die Zellen. Bei schnell wachsenden Zellen (wie bei mir G3), besteht die Gefahr, dass er über die Blutbahnen in Leber, Gehirn, Lunge und/oder Knochen streut oder schon gestreut hat. Das nennt man dann invasiv. 

Jeder Brustkrebs ist anders. Die Gemeinsamkeit ist oft nur der Aufenthaltsort. Jeder Brustkrebs muss also genau betrachtet werden und auch die äußeren Umstände bzw. die Ganzheitlichkeit müssten mehr berücksichtigt werden – da ist noch viel Platz nach oben. Es gibt laut Fachleuten keine Standardtherapie und damit ist kaum ein Brustkrebsschicksal mit einem anderen vergleichbar. Was aber immer gleich ist, ist die Strategie zur Krebsbekämpfung:

  1. Entfernen, was geht.
  2. Was nicht entfernt werden kann, abtöten.
  3. Was nicht getötet werden kann, am Ausbreiten hindern.

Ich weiß ja nicht wie es euch geht, aber das hört sich wie eine Strategie eines Generals im Krieg an. Ärzte versuchen den Krebs also entweder auszuheilen (kurativ behandeln), was Jahre in Anspruch nehmen kann oder, wenn es schon zu spät ist, den Krebs zumindest zurückzudrängen (palliativ behandeln), ihn eine Weile am Wachsen zu hindern. Das kann auch Jahre dauern. So wird der Patient oft kurativ behandelt bis nichts mehr geht und dann geht das nahtlos in palliativ über. Manche wissen fast bis zum Schluss nicht, dass es keine Heilung mehr gibt.

In beiden Fällen bedeutet das unter Umständen mehrere OPs und/oder Strahlentherapien, Medikamente, Chemos und Medikamente gegen die Nebenwirkungen. Und da habt ihr auch schon den Widerspruch. Auf der einen Seite gibt es also keine Standardtherapie und die Behandlungen sollen individuell auf den Patienten abgestimmt werden und auf der anderen Seite gibt es eine Strategie, nach der vorgegangen wird. Na was denn nun?


Kompletter Artikel auf der Internetseite der deutschen Krebsgesellschaft.

Durch die Diagnose nach der Vakuumsaugbiopsie DCIS G3 wurde ich also mit 52 Jahren in eine Ausnahmesituation katapultiert, die sich niemand anmaßen sollte zu verstehen – auch kein Arzt! Das schlimmste sind dämliche Phrasen, wie „Das wird schon wieder“, „Ist doch nur Anfangsstadium“ oder später: „Sei froh, hat noch nicht gestreut“. Ganz hilfreich auch Aussagen wie „Lass rausschneiden und gut ist“. 

Es ist eben nicht gut. Und dies sollte es bei niemandem sein – völlig unabhängig ob mit Krebs oder irgendeiner anderen schlimmen Diagnose und auch nicht bei Menschen die meinen, alles sei bei ihnen in Ordnung und daher müsse man nichts am eigenen Leben ändern…

 Was ist mir wichtig im Leben? Will ich die Verantwortung für mein Leben tragen oder möchte ich das anderen (z.B. Ärzten) überlassen? Ich musste mich auch mit der Frage auseinandersetzen, ob z.B. 3 Jahre hochwertige Lebensqualität schlechter sind als 5 Jahre Leben mit Nebenwirkungen.

Für mich war aber schnell klar, dass ich wenn, dann an Krebs sterben werde und nicht an den Begleiterscheinungen irgendwelcher Therapien. Krebszellen können z.B. NUR während der Teilung durch  Chemo vernichtet werden. Leider teilen sie sich öfter, als Chemo verabreicht werden kann, denn sonst würde die Chemo uns sofort umbringen. Dazu kommen extreme Vergiftungserscheinungen und damit zusammenhängende Nebenwirkungen, die extrem schmerzhaft sind und deren Auswirkungen die Lebensqualität auf sehr niedriges Niveau fallen lässt. Die Frage, ob es hier einen wirklichen Nutzen gibt durch eine wirklich längere Lebenserwartung oder nicht, kann nur jeder für sich selbst entscheiden. Für manche ist es die Rettung um vielleicht ein paar Jahre noch die eigenen Kinder aufwachsen sehen zu können, für andere hilft es nicht mal im entferntesten an die 5 Jahresgrenze heranzureichen. Es gibt keine Garantien.

Niemand kann also sagen, wann er sterben wird – die mit Krebs nicht, und die ohne auch nicht. Und glaubt mir, ich habe 5 Jahre Eierstockkrebsleiden meiner Mutter hinter mir, ich war überzeugt zu wissen, was wirklich vor sich geht. Himmel! War ich dumm! Der Vorteil für mich ist jetzt aber, ich sehe anders. Wenn man einmal das Vakuum zwischen „noch leben, aber nicht mehr dazugehören“ am eigenen Leib gespürt hat, ist nichts mehr wie es war. Und vieles spielt keine Rolle mehr. Nicht der Konsum, nicht irgendwelche Empfindlichkeiten anderer Menschen und nicht mal die Arbeit, die ich üblicherweise mache. 

Wie es dazu kam? Von der Entdeckung des Mikrokalks auf der Mammographie bis zum Ergebnis nach der OP durch den Pathologen vergingen bei mir insgesamt 3 Monate.  Drei Monate Ungewissheit und fehlende Aufklärung mit viel Salamitaktik und einer mangelhaften Klinik, aber auch drei Monate Zeit mich zu informieren, mir ein eigenes Bild zu machen und drei Monate Zeit, mir zu überlegen, was ICH eigentlich will – im Fall der Fälle. Und das hieß konkret:

Wie will ich sterben und wie will ich bis dahin leben?

Eine Frage, die wir uns eigentlich alle stellen sollten, aber Aktuell wird es leider meist erst, wenn wir Angst um unser Leben haben.  Ziemlich schnell war mir jedoch klar, dass Krebs auch eine ganzheitliche Angelegenheit ist. Also medizinisch, psychisch und der Lebensstil. Einfach nur was rausschneiden wird mir also nicht helfen. Das schien mir logisch, zumal das reine Behandeln des Krebses nicht wirklich erfolgsversprechend zu sein scheint. Zumindest wenn man sich die Statistiken und Studien einmal genauer ansieht.  

Ca. 88 Prozent der Patientinnen sind fünf Jahre nach der Brustkrebs-Diagnose noch am Leben.“ So die freudige Aussage der Statistiker, Mediziner und der verantwortlichen der Krebsforschung.  Hier ist natürlich invasiver (streuender) Krebs gemeint. Zum einen zeigt diese Aussage, dass niemand die 12 % der Frauen vor ihrem Tod, nach ihrer Meinung zur Überlebensrate gefragt hat und zum anderen, was sagen 88 % der derzeit lebenden Patientinnen dazu, dass sie mal gerade 5 Jahre hatten und der Rest ziemlich ungewiss sein kann/wird. Denn hier ist auch ungefähr die Grenze, an der der Krebs wiederkommt, sich massiv ausbreitet oder Frauen daran sterben. Wen die Medizin aber bis dahin am Leben erhalten kann, gilt als erfolgreich behandelt – also in der Statistik.

Dazu kommt, dass es hierbei nicht um das „WIE bleibt man am Leben“ geht, also nicht um die Lebensqualität, auch wenn das gerne so propagiert wird. Es geht eben nur um statistische Größen und genau in diese Mühlen gerät jede Frau mit DCIS / Brustkrebs hinein. Der Mensch an sich wird zu einem Forschungs- und Studienobjekt. Im Übrigen haben die Wissenschaftler und Mediziner keine Ahnung wann ein DCIS invasiv wird…