Veröffentlicht in Lebensstil, Psychisch

„Lass einfach alles los“ oder warum ich bei Achtsamkeitsübungen schnell mal ungeduldig werde

Grundsätzlich bin ich ja skeptisch, wenn plötzlich irgendwas als „Heilsbringer“ gehypte wird. Achtsamkeitsübungen. DAS Heilmittel scheinbar gegen alles. Aber was ist das eigentlich genau?

Achtsamkeitsbasierte Stressreduktion (MBSR = Mindfulness-based stress reduction) heißt es genau und ist erstmal ein 8 Wochen Programm. Es ist dazu gedacht Stress in jeglicher Form abzubauen.  Wie wir wissen, kann zu viel Stress auch zu Schmerzen führen. Kennst Du sicher bei Rückenschmerzen oder auch Magenschmerzen. MBSR bedeutet also, dass ich ein nicht wertendes, den Moment akzeptierendes Bewusstsein entwickle und dadurch keinen Stress mehr empfinde. Dass ich auf körperliche Empfindungen und Zustände achte und meine Emotionen, ob positiv oder negativ ganz neutral betrachten kann. Achtsam im Moment leben – also alles was ich tue bewusst wahrnehmen ohne zu bewerten. Nur beobachten also, so als ginge mich alles nichts an – zumindest nicht auf emotionaler Ebene.

Das hört sich zumindest danach an, dass ich es brauchen könnte. Aber so genau habe ich noch immer keine Vorstellung. Praktische Beispiele wären da hilfreich…

Ich stelle mir vor, dass ich eine Tasse trage. Dann fällt sie runter und zerspringt. Ohne MBSR würde ich vielleicht fluchen über die Arbeit des Zusammenfegens, die ich mir selbst gemacht habe, über meine Ungeschicklichkeit und vielleicht heule ich auch, weil es ein Erinnerungsstück war usw. Mit MBSR werde ich neutral/emotionslos die Scherben betrachten und mir sagen: „OK, das ist jetzt eben so. Nichts was ich empfinde, wird an dem Zustand der Tasse etwas ändern.“ Bevor ich auffege, freue ich mich noch an dem Mandala ähnlichen Muster der Scherbenanordnung auf dem Boden. Dann fege ich wirklich auf, werfe die Scherben weg und vergesse die Tasse. Zwischengedanke: Das hört sich nach Demenz an 😉.


Noch ein Beispiel, dass ich irgendwo gelesen habe:

Im Bus sitzt jemand neben mir und stinkt. Ich nehme wahr, dass derjenige stinkt ohne zu bewerten, dass er stinkt. Dann freue ich mich darüber, dass ich nicht stinke. Zwischengedanke: Das krieg ich sicher nicht hin… 😊.

Wie wäre es damit:

Ich habe höllische Rückenschmerzen, aber ich nehme sie jetzt mal neutral wahr und beobachte sie nur. Wie genau fühlen sie sich an, wohin strahlen sie aus und… „Ahhhhh! Scheiß drauf! Her mit dem Ibuprofen!!!“

Es scheint kein Allheilmittel zu sein und schon gar keines, was ich uneingeschränkt in Ausnahmesituationen empfehlen würde. Es ist wohl eher etwas für unsere generelle, egoistische, westliche und schnelllebige Gesellschaft, die eigentlich keine wirklichen Probleme hat und sie sich nur selbst macht. Bei Diagnose Krebs jedoch wage ich zu  bezweifeln, dass es dauerhaft hilft. Denn an der Diagnose lässt sich nichts ändern. Die Behandlungen beeinträchtigen die Lebensqualität sehr, daran lässt sich auch nichts ändern. Trotz dieses Wissens bin ich und viele andere jedoch weit entfernt davon diese Tatsachen wertfrei, also emotionslos annehmen zu können. Die Folgen sind Schlafstörungen, Depressionen und Angstzustände, dazu kommen unter Umständen Schmerzen und die Auswirkungen von Nebenwirkungen. Diese wirken sich häufig psychisch und körperlich aus, wie beim Haarausfall oder durch z.B. Empfindungsstörungen in Gliedmaßen oder auch Geschmacksverlust.

„Eine Überprüfung zeigt dann auch, dass MBSR die Lebensqualität bei Brustkrebspatienten am Ende der Einheiten zwar leicht verbessern kann, aber bis zu zwei Jahre nach der Einheit führt MBSR wahrscheinlich zu wenig oder gar keinem Unterschied in Bezug auf Angst, Depression und Lebensqualität“ (Cochrane: Will, Skoetz et al., 2015). Zudem glaube ich, dass ein Abschalten des emotionalen Bereichs, viele andere Probleme nach sich ziehen würde und etwas anderes ist es wohl nicht, wenn wir gleichmütig alles betrachten würden. Würde das jeder Mensch so machen, die Welt stünde still…

Hier ist dann auch die Grenze. Derartige Probleme oder auch Verletzungen der Seele lassen sich unterdrücken, aber nicht heilen und mehr kann eben MBSR auch nicht. Durch den Fokus auf das Jetzt, blendest Du im Prinzip alles andere aus. Aber wie lange kannst Du das aufrecht erhalten? Auf der anderen Seite, hält uns dies den Spiegel vor und zwingt uns innezuhalten. Daher glaube ich auch, dass es sich gut eignet um zu lernen, mehr den Augenblick zu genießen und die Sorgen und Nöte für eine Zeitlang hintenanzustellen und allein dadurch wird man sich besser fühlen. Aber eben alles mit Maß und Ziel. 

Schaden kann es wohl nicht viel anrichten und so sollte es ruhig jeder der dafür empfänglich ist ausprobieren. Die Grundlagen sind Yoga und Meditation, also Bestandteile aus der Hinduistischen und Buddhistischen Meditationspraxis. Du kannst also auch eine Reise nach Tibet unternehmen 😉. Oder Du besorgst Dir entsprechende Meditationsanleitungen bei YouTube, die Dir zusagen.

Die Frage stellt sich jedoch, ob zum Beispiel eine bessere Aufklärung der Patienten nicht wirkungsvoller wäre. Mit Angeboten zur Ablenkung/Freude/Spaß wie wir es auch aus guten Reha-Kliniken kennen. Viele der Probleme, die mit Hilfe von Achtsamkeitsübungen überwunden werden sollen, entstehen doch erst aus den Problemen, die mit einer Krebserkrankung zusammenhängen.  Unsicherheiten und Ängste durch fehlende und mangelnde Information und Betreuung. Depression durch die eigene Hilflosigkeit in Anbetracht einer eher tödlichen Krankheit. Schlaflosigkeit durch emotional belastende Zustände/Gedanken. Schmerzen und Nebenwirkungen ausgelöst durch Diagnostik und Therapien.

Ja, aber einfach mal emotionslos ansehen das Ganze… (Ironie)

Tipps zum Schluss:

Meine Tochter (Danke!) hat mir Michael Curse Kurth empfohlen. Als Rapper, Buddhist und ausgebildeter Systemischer Coach ist er sozusagen ein Meditations Rapper mit tollen Texten – kostenlos. Hier kannst Du gleich reinhören. 

Um achtsamer mit Dir selbst zu sein, mehr im Hier und Jetzt zu verbringen und weniger in der Vergangenheit und Zukunft, kannst Du auch diese kleinen Dinge ganz einfach in Deinen Alltag integrieren 😉:

  • Benutze einfach mal die andere Hand als üblich. Das ist eine sehr lustige Übung 😊.
  • Rieche an allem. Wie riecht eigentlich Deine Seife an den Händen oder die Hände vor dem Waschen? Wie Deine Bettwäsche? Wie der Salat, die Teller aus der Spülmaschine, die Menschen im Bus? Rieche einfach auch an allem, was Du in die Hand nimmst 😊 (Papier, Stifte, Bücher, PC-Maus usw.).
  • Fasse alles an und fühle, wie es sich anfühlt. Auch beim Einkaufen 😉 (das kannst Du auch mit dem „Rieche-Punkt“ verbinden).
  • Höre ganz genau hin.
  • Schmecke genau was Du isst und trinkst.

Dabei versuche nicht zu urteilen, also nicht ob es z.B. gut oder schlecht schmeckt, sondern Dir einfach zu überlegen, wie es schmeckt (salzig, bitter, kalt…). Oder wie es sich anfasst (weich, hart, cremig, schmierig…).


Oder Du hältst Dich an die 10 Gebote der Gelassenheit von Papst Johannes XXIII. Sie sind ganz und gar nicht religiös, außer das letzte ein bisschen, aber ich bin mir sicher, dass es nicht schaden wird 😉. Du kannst sie Dir auch auf Kärtchen schreiben und Dir jeden Tag ein anderes nehmen, welches an diesem einen Tag Dein „Mantra“ sein wird.

  1. Leben

Nur für heute werde ich mich bemühen, einfach den Tag zu erleben – ohne alle Probleme meines Lebens auf einmal lösen zu wollen.

  1. Sorgfalt

Nur für heute werde ich größten Wert auf mein Auftreten legen und vornehm sein in meinem Verhalten: Ich werde niemanden kritisieren; ja ich werde nicht danach streben, die anderen zu korrigieren oder zu verbessern… nur mich selbst.

  1. Glück

Nur für heute werde ich in der Gewissheit glücklich sein, dass ich für das Glück geschaffen bin … nicht nur für die andere, sondern auch für diese Welt.

  1. Realismus

Nur für heute werde ich mich an die Umstände anpassen, ohne zu verlangen, dass die Umstände sich an meine Wünsche anpassen.

  1. Lesen

Nur für heute werde ich zehn Minuten meiner Zeit einer guten Lektüre widmen. Wie die Nahrung für das Leben des Leibes notwendig ist, ist die gute Lektüre notwendig für das Leben der Seele.

  1. Handeln

Nur für heute werde ich eine gute Tat vollbringen – und ich werde es niemandem erzählen.

  1. Überwinden

Nur für heute werde ich etwas tun, wozu ich keine Lust habe. Sollte ich mich in meinen Gedanken beleidigt fühlen, werde ich dafür sorgen, dass niemand es merkt.

  1. Planen

Nur für heute werde ich ein genaues Programm aufstellen. Vielleicht halte ich mich nicht genau daran, aber ich werde es aufsetzen. Und ich werde mich vor zwei Übeln hüten: vor der Hetze und vor der Unentschlossenheit.

  1. Mut

Nur für heute werde ich keine Angst haben. Ganz besonders werde ich keine Angst haben, mich an allem zu freuen, was schön ist. Und ich werde an die Güte glauben.

  1. Vertrauen

Nimm dir nicht zu viel vor. Es genügt die friedliche, ruhige Suche nach dem Guten an jedem Tag zu jeder Stunde, und ohne Übertreibung und mit Geduld.

Nur für heute werde ich fest daran glauben – selbst wenn die Umstände das Gegenteil zeigen sollten –, dass die gütige Vorsehung Gottes sich um mich kümmert, als gäbe es sonst niemanden auf der Welt.

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Scheiß auf Vorher-/Nachher Fotos – Beweg Dich einfach! Mein Wochenplan.

Ich war nun wirklich nie ein Parade Beispiel von einer Sportlerin. Als Mutter (unter der Woche alleinerziehend), etliche Umzüge und mit Job (manchmal Jobs) war ich ohnehin dauernd in Bewegung.  Abends dann Füße hoch und nichts mehr tun! Rückenschmerzen, Kopfschmerzen, müde und ausgelaugt – ihr kennt das vermutlich. Gewichtsmäßig war ich immer ganz zufrieden mit mir. Mal 5 Kilo rauf und dann mal wieder runter – ohne nennenswerte Diäten. Ich war nie dürr, aber auch nie fett. So gut eben.

Irgendwann waren die Kinder aus dem Haus, die Wechseljahre kamen und ein paar Kilos dazu. Klar, hatte ja auch weniger zu tun ;-). Dafür fuhr ich Rad, Skifahren, Wandern und Fitnessstudio – alles so nach Lust und Laune und je nach Wetter- und Gemütslage.

Seit der Sache mit dem Brustkrebs und meiner Recherche über die Zusammenhänge, wurde mir klar, dass ich mehr tun will. Fettgewebe begünstigt das Wachstum von entarteten Zellen – das ist wissenschaftlich belegt und nicht gut. Da auch sehr dünne Menschen über zu viel Fettgewebe verfügen können, haben wir es hier nicht mit „Abnehmen“ im eigentlichen Sinn zu tun. Zuallererst wird der Körper sich verändern, nicht zwangsläufig auch die Zahl auf der Waage. Aber die in der Regel dann auch. Je mehr Übergewicht Du hast, desto eher sieht man etwas. Ganz dünne Menschen werden vermutlich nichts sehen oder sogar eher mehr Kilos auf die Waage bringen. Das liegt an den Muskeln, zu denen das Fettgewebe geworden ist und die sind schwerer.

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Grundsätzlich gilt dabei, dass Du auch genug essen musst, aber darüber schreibe ich einen extra Beitrag weil das sonst hier den Rahmen sprengen würde. Es spielt also keine Rolle ob Du dick oder dünn bist und auch nicht, ob Du heute anders aussiehst als in einem halben Jahr. Wichtig ist nur, dass Du Dich genug bewegst, damit Krebszellen es schwerer haben, langsamer wachsen oder gar nicht erst entstehen. Stell Dir vor, Du kannst auch Deine körpereigene Abwehr damit aktivieren gegen einzelne Zellen vorzugehen und somit auch zur Vorsorge und Nachsorge aktiv mithelfen.

Der Nachteil, es bringt nur etwas, wenn Du es täglich machst. Du isst ja auch täglich, also musst Du Dich auch täglich bewegen. Als Faustregel: mindestens sechsmal die Woche eine halbe Stunde. 

Gut ist eine Ausgewogenheit zwischen aerobem oder anaerobem Training.

  • Bei der Fettverbrennung (Abnehmen) und dem Ausdauertraining ist ein aerobes Training im unteren und moderaten Pulsbereich notwendig.
  • Für den Muskelaufbau machst Du anaerobes Training im oberen Pulsbereich.

Deine Herzfrequenz ist hierbei Deine Orientierung. Aerobes Training liegt bei 70-80% Deiner maximalen Herzfrequenz. Was darüber geht, trainiert im anaeroben Bereich. Hier findest Du einen Online Rechner. Aber immer auf Dich selbst achten. Wenn Du schnaufst und gerade noch sprechen kannst, aber nicht mehr singen, bist Du noch im aeroben Bereich. Wenn Du nicht mehr sprechen kannst, dann im anaeroben Bereich – z.B. beim Krafttraining. Wenn Du gesundheitlich nicht fit bist, dann einen Physiotherapeuten dazu befragen. Grundsätzlich fang langsam an. Wenn Du am nächsten Tag noch völlig fertig bist, war es  zu viel. Dann reduzieren. 

So sieht es bei mir aus 😉

Jetzt denkst Du Dir vielleicht: „Oh, Himmel! Wann soll ich das denn alles unterbringen?“

Darauf antworte ich Dir: „Du kannst es auch lassen und was hast Du dann für Dich gewonnen? 

Oder anders: Was von Deinen Tagesaufgaben machst Du nur für Dich? Was davon gesünder zu sein/werden? Was davon hilft Dir länger zu leben? Und was davon ist so wichtig, dass Du Dein eigenes Leben dafür gibst?

Wenn Du nicht wirklich gute Antworten darauf hast, fang an Sport zu machen 😉

Mein Plan sieht derzeit so aus: 

Montag: Morgens 1 Std. moderates Krafttraining und Dehnen im Gym, Abends 30 Min. Joggen

Dienstag: Morgens 1 Std. moderates Krafttraining und Dehnen im Gym, Abends 30 Min. spazieren gehen und/oder Kickboxen (nach YouTube Video zu Hause 😉 )

Mittwoch: Morgens 1 Std. moderates Krafttraining und Dehnen im Gym, Abends 30 Min. Joggen

Donnerstag: Morgens 1 Std. moderates Krafttraining und Dehnen im Gym, Abends 30 Min. spazieren gehen und/oder schwimmen

Freitag: Morgens 1 Std. moderates Krafttraining und Dehnen im Gym, Abends 30 Min. Joggen

Samstag: Ausflüge mit 5-15 km gehen,  Abends evtl. schwimmen

Sonntag: Abends evtl. schwimmen

Gerade am Anfang ist es wichtig, sich nicht zu viel aufzuerlegen. Vielleicht gehst Du nur spazieren, wenn Du gerade keine Lust auf Joggen hast. Wenn ich nur 30 Minuten Krafttraining schaffe, ist es auch in Ordnung. Wichtig ist, überhaupt anzufangen.

Ich habe mir feste Termine gesetzt – so als müsste ich zur Arbeit gehen. Keine Ausreden. Nach ein paar Wochen ist es schon zur Routine geworden und völlig selbstverständlich ziehe ich morgens meine Sportsachen an. 

  1. Du kannst auch auf den Stepper oder Fahrrad fahren. Dann erhöhst oder senkst Du den Widerstand der Pedale um die Herzfrequenz zu steuern. Ist auch oft von der Tagesform abhängig. Hier nur im aeroben Bereich trainieren. Du kannst auch einfach draußen mit dem Fahrrad fahren. 
  2. Beim Krafttraining bis an die Grenzen gehen und gerne mit ein oder zwei Wiederholungen darüber hinaus – bis es brennt in den Muskeln und Du stöhnst. Entweder erreichst Du das über die Gewichte, die immer mehr werden oder über die höhere Anzahl an Wiederholungen. Dann bist Du kurzfristig im anaeroben Bereich. Dann locker ein bis zwei Minuten Pause einlegen. Grundsätzlich eher langsam als schnell die Gewichte bewegen. Lieber Hanteln als Maschinen. Und keine Angst! Muskelprotz kannst Du dabei nicht werden. Es gibt viele YouTube Videos, die Du Dir ansehen kannst oder einfach mal einen leckeren personal Trainer buchen ;-).
  3. Joggen war nie wirklich meine Leidenschaft, aber man sollte nie, nie sagen… Ich habe angefangen mit schnellem Gehen. Das war dann auch schon ausreichend um in den anaeroben Bereich zu gelangen :-D. Mit der Zeit blieb ich in der Fettverbrennungszone und ich bin dann immer mal ein paar Stücken langsam gejoggt bis die Herzfrequenz erst in den aeroben Bereich ging und dann zu hoch, so dass ich weder sprechen noch singen konnte ;-). Dann wieder nur laufen. Und so weiter. Mit Geduld werden die Stücken dazwischen, die man joggen kann immer länger.  Und mit Kevin von Runnersflow schafft es vermutlich jeder innerhalb von 6 Wochen 30 Min. am Stück zu laufen. 
  4. Das Schwimmen im aeroben Bereich. Dabei Brust- und Rückenschwimmen abwechseln. 

Und stolz darfst Du immer auf Dich sein! Umsonst heißt die erste Zone nicht Herz- und Gesundheitsbereich ;-).

Unterstützend habe ich einen Fitnesstracker und natürlich Musik auf den Ohren oder ein gutes Hörbuch. Empfehlen kann ich die Polar m430, bei der Du mit App bzw. am PC auch Deine Schlafgewohnheiten überwachen kannst. Hier siehst Du auch Deine Herzfrequenz und erfährst wie viele Kalorien Du zusätzlich verbraucht hast. 

Musik höre ich über Deezer. Das geht weltweit und mit ein 14,85 Euro im Monat, kannst Du Dir die Kosten der Offlinemusik mit bis zu 5 Freunden/Verwandten teilen und sogar für jeden eigene Profile/Playlists erstellen. Du kannst es 30 Tage kostenlos testen. 

Weil es ja auch um die Ernährung geht, allerdings in einem anderen Blogbeitrag, hier noch der Hinweis auf eine ganz gute App – Lifesum.


Und wenn mal nichts geht oder Du Übungen zum Dehnen und/oder Kraftaufbau für zu Hause möchtest, empfehle ich Dir die eCards von Kevin Besser von Runnersflow – hier gibt es auch einen kostenlosen 6 Wochen Trainingsplan für Laufanfänger. Die eCards kannst Du am Handy dabei haben oder/und ausdrucken und an die Wand kleben (hierfür z.B. die Cards mittels Snipping Tool ausschneiden und in einen Tabelle in Word einfügen).

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Brustkrebs Runde 1: Lebensqualität vs Lebensquantität

Krebs an sich, also abnorme Zellen kann praktisch jeder in sich tragen. Du auch schon, während Du das hier liest. Abnorme Zellen fallen oft erst später als Knoten o.ä. auf, bei manchen wachsen sie so langsam, dass sie bis zum Tod keine weiteren Probleme machen.

Brustkrebs fällt dank der Mammographie heute oft schon ganz bald auf. Als sog. Mikrokalk und wenn Du Glück hast, ist dieser noch begrenzt und streut nicht. Allerdings gibt es 3 unterschiedliche Grade. Je höher der Grad, desto schneller und bösartiger die Zellen. Bei schnell wachsenden Zellen (wie bei mir G3), besteht die Gefahr, dass er über die Blutbahnen in Leber, Gehirn, Lunge und/oder Knochen streut oder schon gestreut hat. Das nennt man dann invasiv. 

Jeder Brustkrebs ist anders. Die Gemeinsamkeit ist oft nur der Aufenthaltsort. Jeder Brustkrebs muss also genau betrachtet werden und auch die äußeren Umstände bzw. die Ganzheitlichkeit müssten mehr berücksichtigt werden – da ist noch viel Platz nach oben. Es gibt laut Fachleuten keine Standardtherapie und damit ist kaum ein Brustkrebsschicksal mit einem anderen vergleichbar. Was aber immer gleich ist, ist die Strategie zur Krebsbekämpfung:

  1. Entfernen, was geht.
  2. Was nicht entfernt werden kann, abtöten.
  3. Was nicht getötet werden kann, am Ausbreiten hindern.

Ich weiß ja nicht wie es euch geht, aber das hört sich wie eine Strategie eines Generals im Krieg an. Ärzte versuchen den Krebs also entweder auszuheilen (kurativ behandeln), was Jahre in Anspruch nehmen kann oder, wenn es schon zu spät ist, den Krebs zumindest zurückzudrängen (palliativ behandeln), ihn eine Weile am Wachsen zu hindern. Das kann auch Jahre dauern. So wird der Patient oft kurativ behandelt bis nichts mehr geht und dann geht das nahtlos in palliativ über. Manche wissen fast bis zum Schluss nicht, dass es keine Heilung mehr gibt.

In beiden Fällen bedeutet das unter Umständen mehrere OPs und/oder Strahlentherapien, Medikamente, Chemos und Medikamente gegen die Nebenwirkungen. Und da habt ihr auch schon den Widerspruch. Auf der einen Seite gibt es also keine Standardtherapie und die Behandlungen sollen individuell auf den Patienten abgestimmt werden und auf der anderen Seite gibt es eine Strategie, nach der vorgegangen wird. Na was denn nun?


Kompletter Artikel auf der Internetseite der deutschen Krebsgesellschaft.

Durch die Diagnose nach der Vakuumsaugbiopsie DCIS G3 wurde ich also mit 52 Jahren in eine Ausnahmesituation katapultiert, die sich niemand anmaßen sollte zu verstehen – auch kein Arzt! Das schlimmste sind dämliche Phrasen, wie „Das wird schon wieder“, „Ist doch nur Anfangsstadium“ oder später: „Sei froh, hat noch nicht gestreut“. Ganz hilfreich auch Aussagen wie „Lass rausschneiden und gut ist“. 

Es ist eben nicht gut. Und dies sollte es bei niemandem sein – völlig unabhängig ob mit Krebs oder irgendeiner anderen schlimmen Diagnose und auch nicht bei Menschen die meinen, alles sei bei ihnen in Ordnung und daher müsse man nichts am eigenen Leben ändern…

 Was ist mir wichtig im Leben? Will ich die Verantwortung für mein Leben tragen oder möchte ich das anderen (z.B. Ärzten) überlassen? Ich musste mich auch mit der Frage auseinandersetzen, ob z.B. 3 Jahre hochwertige Lebensqualität schlechter sind als 5 Jahre Leben mit Nebenwirkungen.

Für mich war aber schnell klar, dass ich wenn, dann an Krebs sterben werde und nicht an den Begleiterscheinungen irgendwelcher Therapien. Krebszellen können z.B. NUR während der Teilung durch  Chemo vernichtet werden. Leider teilen sie sich öfter, als Chemo verabreicht werden kann, denn sonst würde die Chemo uns sofort umbringen. Dazu kommen extreme Vergiftungserscheinungen und damit zusammenhängende Nebenwirkungen, die extrem schmerzhaft sind und deren Auswirkungen die Lebensqualität auf sehr niedriges Niveau fallen lässt. Die Frage, ob es hier einen wirklichen Nutzen gibt durch eine wirklich längere Lebenserwartung oder nicht, kann nur jeder für sich selbst entscheiden. Für manche ist es die Rettung um vielleicht ein paar Jahre noch die eigenen Kinder aufwachsen sehen zu können, für andere hilft es nicht mal im entferntesten an die 5 Jahresgrenze heranzureichen. Es gibt keine Garantien.

Niemand kann also sagen, wann er sterben wird – die mit Krebs nicht, und die ohne auch nicht. Und glaubt mir, ich habe 5 Jahre Eierstockkrebsleiden meiner Mutter hinter mir, ich war überzeugt zu wissen, was wirklich vor sich geht. Himmel! War ich dumm! Der Vorteil für mich ist jetzt aber, ich sehe anders. Wenn man einmal das Vakuum zwischen „noch leben, aber nicht mehr dazugehören“ am eigenen Leib gespürt hat, ist nichts mehr wie es war. Und vieles spielt keine Rolle mehr. Nicht der Konsum, nicht irgendwelche Empfindlichkeiten anderer Menschen und nicht mal die Arbeit, die ich üblicherweise mache. 

Wie es dazu kam? Von der Entdeckung des Mikrokalks auf der Mammographie bis zum Ergebnis nach der OP durch den Pathologen vergingen bei mir insgesamt 3 Monate.  Drei Monate Ungewissheit und fehlende Aufklärung mit viel Salamitaktik und einer mangelhaften Klinik, aber auch drei Monate Zeit mich zu informieren, mir ein eigenes Bild zu machen und drei Monate Zeit, mir zu überlegen, was ICH eigentlich will – im Fall der Fälle. Und das hieß konkret:

Wie will ich sterben und wie will ich bis dahin leben?

Eine Frage, die wir uns eigentlich alle stellen sollten, aber Aktuell wird es leider meist erst, wenn wir Angst um unser Leben haben.  Ziemlich schnell war mir jedoch klar, dass Krebs auch eine ganzheitliche Angelegenheit ist. Also medizinisch, psychisch und der Lebensstil. Einfach nur was rausschneiden wird mir also nicht helfen. Das schien mir logisch, zumal das reine Behandeln des Krebses nicht wirklich erfolgsversprechend zu sein scheint. Zumindest wenn man sich die Statistiken und Studien einmal genauer ansieht.  

Ca. 88 Prozent der Patientinnen sind fünf Jahre nach der Brustkrebs-Diagnose noch am Leben.“ So die freudige Aussage der Statistiker, Mediziner und der verantwortlichen der Krebsforschung.  Hier ist natürlich invasiver (streuender) Krebs gemeint. Zum einen zeigt diese Aussage, dass niemand die 12 % der Frauen vor ihrem Tod, nach ihrer Meinung zur Überlebensrate gefragt hat und zum anderen, was sagen 88 % der derzeit lebenden Patientinnen dazu, dass sie mal gerade 5 Jahre hatten und der Rest ziemlich ungewiss sein kann/wird. Denn hier ist auch ungefähr die Grenze, an der der Krebs wiederkommt, sich massiv ausbreitet oder Frauen daran sterben. Wen die Medizin aber bis dahin am Leben erhalten kann, gilt als erfolgreich behandelt – also in der Statistik.

Dazu kommt, dass es hierbei nicht um das „WIE bleibt man am Leben“ geht, also nicht um die Lebensqualität, auch wenn das gerne so propagiert wird. Es geht eben nur um statistische Größen und genau in diese Mühlen gerät jede Frau mit DCIS / Brustkrebs hinein. Der Mensch an sich wird zu einem Forschungs- und Studienobjekt. Im Übrigen haben die Wissenschaftler und Mediziner keine Ahnung wann ein DCIS invasiv wird… 

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Gibt es ein Leben danach?

Na darüber wird es wohl noch einige Blogbeiträge geben. Fürs erste soviel:

Ich warte auf das Ergebnis vom Gentest. Ursprünglich dachte ich mir, dass es ja egal ist, ob ich das weiß oder nicht, weil es dann trotzdem nicht gesagt ist, ob ich Eierstockkrebs bekomme. Aber jetzt denke ich mir, dass wenn es genetisch ist, lasse ich mir vielleicht die Eierstöcke entfernen. Denn dieser Krebs ist sehr aggressiv und bildet schnell Metastasen. Das Risiko scheint mir derzeit sehr hoch, sollte es genetisch sein. Ich habe das bei meiner Mutter mitgemacht und wünsche das niemanden, nicht mal meinem ärgsten Feind.

Wenn es nicht genetisch ist, was ich sehr hoffe, weil meine Mutter viele Jahre die Pille und in den Wechseljahren lange Hormone genommen hat, zudem war ihr Lebensstil alles andere als gesund, reichen erstmal regelmäßige Krebsvorsorgeuntersuchungen mit vaginal Ultraschall. Und den würde ich immer empfehlen auch wenn die Kassen das nicht zahlen.

Meine Brüste werden jährlich in der Mammographie angesehen werden. Reicht, denke ich. Ist ja auch Strahlung jedes mal. Die Empfehlung der Tumorkonferenz zur Bestrahlung zu gehen, werde ich nicht nachkommen. Das könnt ihr hier nachlesen. Schon komisch, wenn man als Patient das Gefühl hat, dass die nicht wissen was sie tun, die eigentlich wissen sollten was sie tun. Eine Bestrahlung nur zur Sicherheit, falls etwas ist, was vermutlich nicht ist, weil ja der Pathologe nichts gefunden hat… Das macht irgendwie keinen Sinn, dann müsste man ja sicherheitshalber den ganzen Körper bestrahlen.

Grundsätzlich mache ich jetzt sechsmal die Woche 1,5 Std. Sport am Morgen nach dem Frühstück. Ausdauertraining und etwas Gewichtstraining. Mein Ziel sind zwei bis drei Stunden an sechs Tagen die Woche. Warum genau, verrate ich euch in einem extra Blogbeitrag. Hier nur so viel: Fettgewebe fördert das Wachstum abnormaler Zellen. Allerdings bin ich noch weit entfernt von Routine und nicht an allen Tagen gehe ich mit Spaß zum Sport. Aber ich weiß, dass ich damit aktiv etwas gegen meinen Krebs tun kann. Sowohl vorbeugend als auch nachsorgend! Und aktiv zu sein, liegt mir ohnehin mehr als tatenlos zuzuschauen.

Daneben versuche ich auch meine Ernährung umzustellen. Weniger Kohlenhydrate, vor allem die aus weißem Zucker und Weißmehl. Das fällt mir super schwer, aber auch da kann ich euch sicher bald mehr darüber sagen und auch Rezepte zur Verfügung stellen. Das Ziel dabei ist, den Krebszellen (die entweder noch irgendwo sind oder die irgendwann vielleicht kommen) die Nahrung zu entziehen. Es ist nämlich erwiesen, dass Krebszellen Zucker zum wachsen benötigen. Den erhalten sie im Übrigen auch aus Alkohol…

Was ich aber schon jeden Tag mache ist, drei Tassen japanischen grünen Tee zu trinken. Der soll auch seine Wirkung haben – oder nicht, dass kommt darauf an wen man so fragt und auf welchen Seiten man so liest. Zumindest schadet er nicht. Und nachdem die Asiaten Brustkrebs eher seltener bekommen… Wenn ihr das ausprobieren wollt, lasst ihn 10 Minuten ziehen und trinkt ihn dann innerhalb einer Stunde.

Das habe ich im Übrigen aus dem Das Anti Krebs Buch“ von David Servan-Schreiber (Was uns schützt: Vorbeugen und Nachsorgen mit natürlichen Mitteln). Der Autor war Neurowissenschaftler und Psychiater, und selbst mit einem Gehirntumor gestraft mit dem er 20 Jahre lebte und erst im Jahr 2011 starb.   

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Mein chronologischer Alptraum mit After-OP-Fotos

13.3.19 Mammographie

Diagnose Radiologe: BI-RADS 3 re, 1 li ACR 2 (Mikrokalk 5 mm)

Der Radiologe empfiehlt eine Kontrolle in sechs Monaten – was ich heute als fahrlässig empfinde! Aber mir war das nicht geheuer und ich machte einen Gesprächstermin mit meiner Gynäkologin. Die Sprechstundenhilfe gab mir einen Anfang Mai. Meine Frauenärztin war dann allerdings nicht der gleichen Meinung wie der Radiologe und wollte das durch eine Biopsie schnell abgeklärt wissen. Sie machte mir den Termin für die Woche drauf.

14.5.19 Vakuumstanzbiopsie

Diagnose Diagnostisches Mammazentrum Kempten:

Präoperative Diagnose: 6 mm Mikrokalk BI-RADS 4a

Histologischer Befund nach einer Woche am 20.05.2019: DCIS G3, B5a

Eine fürchterliche Prozedur, bei der ich kollabierte und die ich NIE mehr machen würde. Zumal die Heilung mehr als eine Woche dauert und mit Einschränkungen verbunden ist. Also praktisch genau gleich wie nach der Brusterhaltenden OP, nur dass es statt der Vollnarkose eine örtliche Betäubung gab und ambulant gemacht wurde. Allerdings scheint mir das eher eine Vereinfachung für Mediziner zu sein und nicht etwas, was gut für Frauen ist.   

Hinzu kommt, dass – leider habe ich mich damit erst zu spät beschäftigt – es nicht gesichert ist, dass durch die starke Blutung beim Eingriff nicht abnormale Zellen in das Lymphsystem gespült werden könnten und sich dadurch erst verteilen. Bzw. durch das Verletzen des Milchganges die Zellen überhaupt erst austreten.  

Das schrägste aber war, dass mir erzählt wurde, dass es immer mal wieder vorkäme, dass Frauen hierbei kollabierten. Ich nehme an, dass sollte mich beruhigen. Aber es machte mich nur wütend. Wie kann man eine Untersuchungsmethode als Standard wählen, wenn hierbei Frauen kollabieren? Machen krebskranke Menschen im weiteren Verlauf nicht generell schon genug mit?

20.5.19 / 20.00

Diagnose Mitteilung durch meine Gynäkologin in der Praxis. Da wir bereits am Packen und Umziehen für Singapur waren, wollte sie das ich das unbedingt noch vor dem Umzug am 31.5.19 operieren lasse. Dazu setzte sie sich am 21.5.19 morgens mit der Klinik in Kaufbeuren in Verbindung und ich konnte dort noch am Vormittag erscheinen.

21.5.19 / 12.00 – 16.00

Klinikum Kaufbeuren, ein zertifiziertes Brustkrebszentrum. Die Aufnahme dauerte insgesamt vier Stunden und wurde auf zwei DIN A4 Seiten für Kollegen KFC02 = Station C02 im Arztdeutsch festgehalten (was im Nachhinein komisch war, da die Stationsärztin und die Oberärztin der Station gleichzeitig auch die Aufnahme machten). Aber was weiß ich schon…

Ungenauigkeiten und Fragliches auf den beiden Seiten, wurde mir erst hinterher klar. Zu diesem Zeitpunkt war ich nicht sehr aufnahmefähig und es wurde mir nichts dazu erklärt. Lediglich die Vorgehensweise bei der OP wurde kurz runtergeleiert, die auf den 28.5.19 angesetzt wurde. Generell wurde viel über meinen Kopf weg besprochen. Ob ich psychisch belastet bin, spielte überhaupt keine Rolle. Das ich bei der Drahtverlegung kollabieren würde, wurde einfach damit abgetan, dass bei ihnen keiner kollabieren würde, da ich ohnehin liegen würde.

  • Es gab kaum Informationen, auch auf Nachfragen nur spärlich, nicht transparent und nicht umfassend. Salamitaktik. Keine Vor- und Nachteile usw. Vertrauensverhältnis wurde nicht hergestellt.
  • Der Hinweis von mir, dass ich ab 29.5.19 keinen Wohnsitz mehr in Deutschland besitze und ab 31.5.19 in Singapur wohne, bzw. an diesem Tag dorthin fliegen möchte, begegnete man mit: „Gut, da darf dann hier nichts dazwischenkommen.“ Ich erklärte auch, dass alle Ergebnisse zu meiner Gynäkologin gesendet werden sollen.
  • Auch für ein Lehrkrankenhaus ist es nicht sehr vertrauenserweckend wenn eine Ärztin ein Notizbuch braucht, um nachzusehen.

22.5.19

Tags darauf, ich hatte bereits mit dem Recherchieren angefangen, habe ich noch mal im Krankenhaus angerufen und die Entfernung der Wächterknoten und/oder die Lymphknotendiagnostik abgesagt. Die Reaktion war Unverständnis. Es wird grundsätzlich mit dem Mittel Angst/Hoffnung gearbeitet ohne Belege für deren Notwendigkeit. Bei einem DCIS B5a wird nach neueren Erkenntnissen nicht gleich eine Lymphknotenentfernung gemacht, da das Risiko der Folgebeschwerden hier nicht vor dem Ergebnis der abschließenden histologischen Untersuchung eingegangen werden muss. Siehe auch hier:

„Therapie

Um eine Weiterentwicklung zum invasiven Karzinom zu verhindern, sollte das DCIS vollständig entfernt werden. Hat das DCIS einen Umkreis von 4 cm noch nicht überschritten und wurde restlos im Gesunden ( > 5 mm) entfernt, kann Brusterhaltend operiert werden. Eine Bestrahlung sollte dennoch in jedem Fall erfolgen. Handelt es sich um einen multizentrischen Tumor, muss eine Mastektomie durchgeführt werden. Nur bei einem großen DCIS sollte eine Lymphknotenentfernung unter den Achseln oder Sentinel-node-Biopsie (Entnahme des Lymphknoten am Rand der Achselhöhle) durchgeführt werden. „

27.5.19 / 7.00 Uhr

Stationäre Aufnahme und Drahtverlegung 8.00 Uhr. Nach Nachfrage meinerseits, wurde mir ein Beruhigungsmittel erlaubt. Die Behandlung an sich war wertschätzend und respektvoll seitens der Schwestern in der Radiologie. Ein Kollaps blieb dank des Beruhigungsmittels aus. Die Liegeposition alleine wäre nicht ausreichend gewesen!!! Und Standard ist sie auch nicht. In der Regel sitzen die Patienten.

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Anscheinend wurde vermerkt, dass ich nach Singapur umziehe, da mich verschiedene Schwestern von sich aus darauf ansprachen.

Das Zimmer (C02/12) beinhaltete zwei saubere Betten, ansonsten war es ungeputzt. Weder die Schränke waren sauber, noch die Mülleimer noch Bad und WC. Trotzdem wurde es für eine Mitpatientin und mich freigegeben. Erst am späten Nachmittag wurde kurz über die Nachttische, den Tisch, den Boden und das Bad gewischt – alles in allem höchstens 5 Minuten und mehr als unzureichend. Generell ist die Sauberkeit in der Klinik eher mangelhaft.

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Ich schrieb  dann noch handschriftlich auf die am 21.5.19 unterschriebene OP-Einwilligung, dass ich unter keinen Umständen eine Entfernung des Wächterlymphknoten oder irgendwelcher anderer Lymphknoten wünsche. Vertrauen bei null, aber ich vertraue meiner Frauenärztin und wollte das so schnell wie möglich raus haben. Außerdem wusste ich nicht, wie lange es in Singapur dauern würde, bis eine OP erfolgen könnte. Das war mir zu unsicher und so widerstand ich dem Drang nach Hause zu gehen. Operieren würden sie ja hoffentlich können! 

28.5. / ca. 11.00

Die Operation habe ich gut überstanden. Das erste im Aufwachraum war, dass ich nachsah, ob wirklich nur eine Drainage aus der Brust führte. Erleichterung! Die Lymphknoten wurden nicht angerührt. Nach kurzer Zeit wurde ich aufs Zimmer gefahren. Weitere diagnostische Behandlungen mit dem Einsatz von noch mehr Strahlungen und radioaktivem Kontrastmittel lehnte ich ab. Bevor es kein histologisches Ergebnis gäbe, wären alle weiteren Behandlungen unter Umständen vorgegriffen, wenn dieses nicht auf invasiv lauten würde, ebenso wie die gewollte Entfernung bis zu drei Lymphknoten. Ich betete derweil auf nicht invasiv…

  • Ein Ablaufzettel bei „Mammakarzinom“ wurde mir schon am 21.5.  überreicht. Die einzelnen Punkte wurden jedoch nicht verlässlich eingehalten bzw. überhaupt weggelassen. Z.B.:
  • Am OP-Tag, fand keine Abendvisite statt. Irgendeine unbekannte junge Frau in blauem Outfit teilte mir gegen 22.00 Uhr kurz mit, dass der Mikrokalk entfernt wurde und die Schnittränder in der Kurzbiopsie Krebszellenfrei seien. Eine Kontrolle der Wunde fand nicht statt. Klebepads (EKG?) am Oberkörper wurden nicht entfernt, außer man wies darauf hin oder entfernte sie selbst.
  • Nach der OP erfolgte weder ein Besuch durch eine Sozialdienstmitarbeiterin noch durch eine Psychoonkologin.
  • Eine Krankengymnastin erschien, hat aber nur ein Gespräch geführt. Meine Fragen zu dem was ich machen darf oder nicht, konnte sie nicht sicher beantworten. Im weiteren Verlauf widersprachen sich auch Schwestern z.B. ob ich jetzt den Arm über den Kopf heben darf oder nicht.
  • Ich trank viel um die Narkose auszuspülen und sobald ich aufstehen durfte, lies ich den Kochsalztropf entfernen und lief ich am Gang hin und her um wieder fit zu werden.

Das netteste war eine Auszubildende, die mir dieses Kissen in die Hand drückte.  Zum Glück hing ein Zettel am Kissen und so erfuhr ich, dass liebe Frauen diese Kissen in ihrer Freizeit nähen und den Frauen in der Klinik zukommen lassen, damit diese ihren Arm etwas besser lagern können. DAS ist eine liebe Geste, die mich sehr berührt hat.  Herzkissen

29.5. / ca. 11.30 Entlassung

Eigentlich laut Ablaufzettel ab dem 4. postoperativen Tag…

Mir wurde knapp mitgeteilt, dass die Drainage jetzt durch die Oberärztin gezogen würde und ich dann nach Hause könne. Man bräuchte das Bett. Die eigentliche Wunde wurde auch jetzt nicht angesehen oder neu verbunden. Nur das Drainage Pflaster könnte ich nach drei Tagen entfernen. Ebenfalls wurde mir gesagt, dass ich einen Termin für nächste Woche zur Besprechung ausmachen solle. Ich habe das nicht mehr kommentiert…

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Ich fragte, ob ich warten kann bis mein Mann da ist, da ich den rechten Arm ja nicht so viel bewegen, bzw. nicht schwer heben soll. Darauf meinte die Stationsärztin patzig, dass da auch eine Schwester helfen könnte. Ich habe das dann allein mit links gemacht. Auf Nachfrage nach dem Kurzarztbrief/Entlassungsbrief wurde mir mitgeteilt, dass ich so gehen soll. Die Ärzte hätten dazu heute keine Zeit. Auf meine Anmerkung, dass es doch wohl ein versicherungstechnisches Problem wäre, wenn mir ohne Nachweis was passieren sollte, wurde ungehalten reagiert. Ich bin dann für drei Stunden in die Cafeteria des Krankenhauses, bis mein Mann mich abholen konnte. Vom 29.5.19 bis zu unserem Flug am 31.5.19 hat mein Mann ein Zimmer im Ibis Stylus Kaufbeuren gebucht. Hier war es viel sauberer als in der Klinik. 

Entlassungsmanagement Fehlanzeige!

Ich wurde also entlassen, ohne weitere Informationen zur Wunde, den Fäden, Verhalten oder evtl. Verbandsmaterial  (30.5. Feiertag/Himmelfahrt).

Wir sind dann am Freitag 31.5.19 in der Nacht in unser neues zu Hause nach Singapur geflogen. Alles ging gut und die Woche drauf am Montag konnte ich hier schon in der Klinik erscheinen. Die Wunde wurde gesäubert und neu verbunden. Am Donnerstag bin ich dann zum Fäden ziehen gegangen. Grundsätzlich wurde die Arbeit gut gemacht und auch die Naht wird bald kaum noch zu sehen sein. Allerdings ist mir das völlig egal – keine Ahnung wie man so oberflächlich denken kann, bzw. tut das überhaupt jemand? Zumindest wurde mir das so von der Oberärztin erzählt, dass das Aussehen der Brust vielen Frauen wichtiger wäre, als der Krebs selbst. Ich halte das für eine Ammenmärchen, welches einfach weitererzählt wird. Im Übrigen könnt ihr die Narbe der Vakuumstanzbiopsie hier auch immer noch sehen…

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Den Entlassungsbrief, das Ergebnis der histologischen Untersuchung und die als so wichtig erachtete Empfehlung der Tumorkonferenz erhielt ich erst am 12.06.2019 per Mail von meinem Sohn, an den die Krankenhausakte nach Bezahlung und vielerlei Schikanen endlich per Post geschickt worden war. Meine Frauenärztin war unglücklicherweise bis 16.6.2019 im Urlaub und die Klinik weigerte sich irgendwelche Daten per Mail an mich zu senden.

Zum Glück war dieser Mikrokalk/DCIS noch nicht invasiv, also auch keine Metastasengefahr durch ihn und konnte komplett entfernt werden. Die nächsten zwei Jahre sollen Kontrollen erfolgen, ob der Krebs an gleicher Stelle (Lokalrezidiv) oder in der anderen Brust (Rezidiv) wieder auftritt. Eine Bestrahlung wurde auch empfohlen.

„Derzeit erleiden rund 40 Prozent aller Patientinnen mit Brustkrebs einen Krankheitsrückfall, an dem die meisten Frauen sterben. Das Risiko für einen Rückfall ist in den ersten zwei bis drei Jahren am höchsten und sinkt dann stetig ab, wobei es niemals „Null“ erreicht. Bei 10 bis 20 Prozent aller Rückfälle handelt es sich um isolierte lokoregionäre Rezidive, bei 60 bis 70 Prozent der Fälle um Fernmetastasen an einer „anatomischen Struktur“, ansonsten um multiple Lokalisationen. “ (Ärzteblatt)


Grundsätzlich wäre es sinnvoll, wenn die Mitarbeiter der Kliniken auf dem Laufenden wären, was neuere Erkenntnisse anbelangt und auch nicht nur Krebs am Fließband behandeln, sondern auch die Menschen dahinter sehen würden. Eine Ganzheitliche Betrachtungsweise ist mehr als überfällig. Ebenso das Recht auf Selbstbestimmtheit der Patienten. Als Patient bin ich der Kunde und nicht irgendein Objekt mit dem man machen kann was man will. Es werden auch nur die Konsensmöglichkeiten die in der S3-Leitlinie Anwendung finden, aber keine Alternativen aufgezeigt. Auch werden keine Vor- und Nachteile bzw. Konsequenzen einzelner Behandlungen erklärt. Das Risiko trägt die Patientin, nicht die Ärzte. Doch agiert wird, als gäbe es keinerlei Risiko.

Es sind Leitlinien! Keine Richtlinien!!!

 Aus den S3-Leitlinien:

„3.1. Patientinneninformation und –aufklärung Durch die Nutzung neuer Informationstechnologien wie beispielsweise das Internet und dem zunehmenden Bedürfnis von Patientinnen nach Information und Mitbestimmung bei der Behandlung ihrer Erkrankung kommt der Informationsvermittlung und Aufklärung der Patientin heute eine wichtige Rolle zu. Deren Bedeutung ist für die Arzt-Patienten-Beziehung, den Krankheitsverlauf und die Erreichung des Therapiezieles durch zahlreiche Studien belegt [2-4]. Eine ergebnisoffene Patientenaufklärung in Kombination mit einer gemeinsamen (partizipativen) Entscheidungsfindung ermöglicht erst ärztliches Handeln. Zwei ethische Prinzipien wirken bei diesen Interaktionen: die Selbstbestimmung (Autonomie) der Patientin und die ärztliche Fürsorge [5]. Die Autonomie der Patientin ist dabei höchstes Gut. Eine Entscheidung der Patientin ist immer freiwillig und bindet ärztliches Handeln. Patientinnen können sich für oder gegen medizinische Maßnahmen in Diagnostik und Therapie aussprechen oder sich auch für ein „Nicht-wissen-Wollen“ entscheiden. Damit Patientinnen eine Entscheidung im Sinne einer wirksamen Einwilligung („informed consent“) treffen können, sind bestehende Informationsdefizite durch den Arzt auszugleichen. Dem persönlichen Gespräch zwischen Patientin und Arzt kommt als Grundlage für eine vertrauensvolle und respektvolle Verständigung eine besondere Bedeutung zu. Der partizipativen Entscheidungsfindung kommt dabei ein hoher Stellenwert zu („shared decision making“)… „

Ab Seite 79: 4.3. DCIS und Risikoläsionen